Obdachlosigkeit in Deutschland: 37.400 Menschen leben laut Studie auf der Straße

»Wir haben nicht nachts Leute auf die Straße geschickt, um Menschen zu befragen, die aussehen wie Wohnungslose«, sagt Busch-Geertsema. Stattdessen vertraute man auf Angebote für arme Menschen: »Tafeln, Suppenküchen, Kleiderkammern, die Beratungsstellen für Frauen und viele mehr«. Dort zählten Anfang Februar eine Woche lang Mitarbeitende die bei ihnen ankommenden Wohnungslosen.

Insgesamt zählten die teilnehmenden Institutionen mehr als 17.000 Wohnungs- und Obdachlose. Diese Zahlen wurden anschließend gewichtet und hochgerechnet. Um die Betroffenen zu befragen, wurden an jede zweite Person aus der Zielgruppe Fragebögen verteilt. Auswertbar waren laut GISS die Angaben von 465 Institutionen und von 1535 Wohnungslosen. 1112 davon waren »Wohnungslose ohne Unterkunft«, umgangssprachlich Obdachlose, 423 waren verdeckt Wohnungslose.

Hintergrund der Zählung ist das im März 2020 verabschiedete Wohnungslosenberichterstattungsgesetz, das unter anderem vorschreibt, Wohnungs- und Obdachlose in Deutschland zu zählen. »Man kann da sicher noch einiges verbessern«, sagte Busch-Geertsema, »aber es ist vorgeschrieben, dass alle zwei Jahre zu diesem Thema Zahlen erhoben werden.« Die Erhebung ergänzt die Wohnungslosenstatistik des Statistischen Bundesamts, die im Juli veröffentlicht wurde. Diese umfasste alle wohnungslosen Menschen, die im Januar 2022 in Not- oder Gemeinschaftsunterkünften lebten, insgesamt zählte man 178.000.

Die nun vorgelegte Studie sollte alle jene Menschen zählen, die nicht in Unterkünften versorgt werden – eben die nun gezählten 90.000. Es gebe eine kleine Überschneidung zwischen den Gezählten, sagte Busch-Geertsema. »Zieht man die doppelt Gezählten ab und addiert alles zusammen, lebten in Deutschland über 263.000 Menschen in Wohnungslosigkeit.«

Die Erkenntnisse der Studie müssten genutzt werden, um Angebote für Wohnungslose zu verbessern, sagte Busch-Geertsema. »Die Politik hat es sich im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, bis 2030 Wohnungslosigkeit in Deutschland zu überwinden. Die Studie zeigt Verbesserungsmöglichkeiten bei der Prävention und dem Zugang zu Hilfen, die genutzt werden sollten, um dieses Ziel zu erreichen«, sagte er. Die Zahl der Wohnungslosen sei nicht so hoch, dass es unmöglich wäre, bis 2030 Wohnungslosigkeit auf ein Minimum zu reduzieren.

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