Dürre in Somalia: Mit toten Kindern auf der Flucht

Ernten bleiben aus, Brunnen versiegen, Zuchttiere verdursten: Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen ums Überleben. Zusammengepfercht leben Hunderttausende in improvisierten Hütten, die oft aus Tüchern, Ästen und Plastikfolien zusammengebaut werden.

Besonders betroffen ist Somalia. Neben regelmäßigen Dürreperioden wird das Land seit 1991 von einem Bürgerkrieg, regionalen Clanrivalitäten und Terroranschlägen zermürbt, die wiederum die Hilfsaktionen und die Versorgung mit Nahrungsmitteln erschweren. Wegen einer langanhaltenden Dürre sind bereits jetzt fünf Millionen Somalier von einer Hungersnot bedroht. 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Und das ist nur die offizielle Zahl – die Dunkelziffer dürfte wegen der mangelhaften Datenlage im zerrütteten Land deutlich höher liegen.

Wafaa Saeed Abdelatef, Leiterin des Unicef-Büros Somalia:

»Uns liegen Zahlen vor, wonach landesweit rund 730 Kinder in Ernährungszentren gestorben sind. Das ist weniger als ein Prozent der Kinder, die aufgenommen, geheilt und entlassen wurden.«

Das Horn von Afrika, bestehend aus den Ländern Dschibuti, Eritrea, Äthiopien und Somalia, steckt momentan in der größten Dürreperiode seit 40 Jahren. Die letzten vier Regenzeiten sind ausgeblieben und laut Prognose wird die nächste Regenzeit Ende des Jahres auch ausfallen. Laut dem US-Außenministerium stehen mehr als 18 Millionen Menschen in der Region vor einer Hungersnot.

Vielen bleibt da nur die Flucht. Allein in Somalia gelten mehr als 700.000 Menschen als Binnenvertriebene. Flüchtlinge nähmen dabei gefährliche Wege auf sich, wie Audrey Crawford, Landesdirektorin des dänischen Flüchtlingsrats in Somalia, berichtet.

Audrey Crawford, Landesdirektorin des dänischen Flüchtlingsrats in Somalia:

»Die meisten von ihnen sind bis zu zehn Tage lang gelaufen, auf der Suche nach Nahrung und Wasser und kommen hier mit buchstäblich nichts an, in einem schlechten Zustand mit unterernährten oder verstorbenen Kindern.«

Auf den kilometerlangen Wegen müssen Familien oft im Freien übernachten und Bürgerkriegsgebiete durchqueren. Aus Hunger und Verzweiflung greifen viele auf verdorbene Nahrung und verschmutze Wasserquellen zurück. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt deswegen, dass am Horn von Afrika neben der Hungersnot auch Epidemien von Krankheiten wie Masern, Cholera und Diarrhö auftreten werden. Letzteres ist gerade für Kleinkinder lebensbedrohlich.

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Wafaa Saeed Abdelatef, Leiterin des Unicef-Büros Somalia:

»In diesem Jahr gibt es bereits mehr als 8.400 (Diarrhö-)Fälle und rund 13.000 Masernfälle. Die Zahl der Masernausbrüche ist schon höher als die für 2020 und 2021 gemeldeten Fälle zusammen.«

Die USA und auch Deutschland haben bereits finanzielle Unterstützung für Somalia zugesagt. Laut Vereinten Nationen müssen 1,5 Milliarden Dollar aufgebracht werden, um allein dort der Hungersnot entgegenzuwirken. Zusammen mit Geldern von internationalen Hilfsorganisationen wäre dieses Ziel zu etwa zwei Dritteln erreicht – allerdings muss es dort nun auch schnell ankommen.

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